Badia hat geschrieben: ↑30.11.2017 19:40
Damals in den 80ern war der Skiurlaub, gemessen an den heutigen Dimensionen - saubillig!
Aus meinem Umfeld hat es mal jemand so formuliert: Zur Mittelschicht gehörte man früher, wenn ein Alleinverdiener seiner Famile Haus, Auto und 1x Urlaub im Jahr finanzieren konnte. Heute arbeiten beide Eheleute und es reicht trotzdem hinten und vorne nicht.
Das hat mehrere Ursachen.
Zum einen ist die offizielle Inflationsrate geschönt. Mit allerlei statistischen Tricks und hedonischen Berechnungsmethoden wird die tatsächliche Geldentwertung kleingerechnet. Der Staat hält so die Lohnforderungen klein und vor 2008 hätte wohl kaum jemand sein Geld für 5% Zinsen aufs Sparbuch gelegt, wenn man ganz offiziell die tatsächliche Geldentwertung deutlich darüber angegeben hätte. Die Kaufkraft ist daher real stärker gesunken als es die offiziellen Zahlen vermuten lassen. Und würden viele Produkte des täglichen Bedarf heute nicht zu frühkapitalistischen Bedingungen in Übersee produziert, dann wären Nahrung und Kleidung für viele bereits heute unerschwinglich. Stichworte für die Suche im www: Hedonische Bewertungsmethode, wahre Inflation, Inflationslüge, Entwicklung der Geldmenge M3
Hinzu kommt eine Umverteilung der Steuer- und Abgabenlast von Konzernen, Vermögenden und Spitzeneinkommen hin zur unteren und mittleren (Arbeits-) Einkommen. Als Arbeitnehmer hast Du heute immer weniger netto vom brutto. 12 Jahre Merkel kosten mich alleine deutlich über 1000 Euro (netto) pro Jahr, weil die Frau das Ende der Progressionszone nicht um den gleichen Betrag angepasst hat wie den Grundfreibetrag. Wäre das Progressionsende wie der Grundfreibetrag um 15% angehoben worden, dann läge es heute bei 60.000 Euro statt bei 54.000 Euro. Statt dessen wurde das Progressionsende gerade einmal um 3,65% angehoben. Die Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Renten- und Arbeitslosenversicherung hat Frau Merkel im selben Zeitraum übrigens um fette 25% angehoben. Dort, wo sie durch Anpassung der Grenzen auf Mehreinnahmen verzichten müssten, tun sie nichts. Um an anderer Stelle umso unverschämter zuzulangen. Und dann besitzen Schäuble und Merkel noch die Chuzpe und lügen frech, sie hätten die Steuern nicht erhöht. Dabei haben sie auf Kosten der Mittelschicht den Sozialkassen immer höhere Lasten aufgebürdet oder gleich ganz frech sich an den Rücklagen bedient bzw. staatliche Zuschüsse für versicherungsfremde Leistungen gekürzt. Stichworte: kalte Progression,
Wikipedia, Einkommensteuer Deutschland, Entwicklung der Parameter,
Wikipedia, Beitragsbemessungsgrenze Gesetzliche_Rentenversicherung, versicherungsfremde Leistungen
Dann sinkt die Lohnquote, welche den Anteil der Löhne am BIP wiedergibt, seit Jahrzehnten. Obwohl immer mehr Menschen arbeiten, zwacken die Bezieher leistungsloser Kapitaleinkünfte einen immer größeren Anteil am Volkseinkommen für sich ab und zahlen dafür wegen zahlreicher Steuergeschenke und Vermeidungstaktiken durch Steueroasen immer weniger Steuern. Stichworte: Lohnquote, bereinigte Lohnquote, Steueroasen, Stiftungen, Lux-Leaks, Panama-Papers, Paradise-Papers, Deckelung der Steuer auf Kapitaleinkünfte, Senkung der Körperschaftssteuern
Trotz angeblichen Fachkräftemangel bleiben auch die Brutto-Löhne hinter der Wirtschaftsentwicklung zurück. Dabei hat man uns doch in der Schule beigebracht, dass sich in einer Marktwirtschaft ein Mangel durch steigende Preise äußert. Wenn aber heute die Interessenverbände von einem Fachkräftemangel sprechen, dann meinen sie meist einen Mangel an
billigen Fachkräften.
Dann hat der Staat in den letzten Jahrzehnten immer mehr Aufgaben an sich gezogen. Was früher noch in einer intakten Familie intern besorgt wurde, wird heute von einem Staat geleistet, der sich so immer weiter in die private Lebensführung seiner Bürger einmischt. Früher wurde Kinder halt von den Großeltern beaufsichtigt, heute muss es eine teure Kita sein. Gebrechliche Familienmitglieder wurden in der Famile gepflegt, heute werden sie in öffentliche Einrichtungen abgeschoben. Heute ist unter den Parteien ein regelrechter Volkssport geworden, mit immer neuen sozialen Wohltaten beim Wähler zu punkten. Als Arbeitnehmer kann man dabei nur verlieren. Denn für eine Stunde fremder Leistung muss man selbst mehrere Stunden in seinem Beruf arbeiten, bis nach Abzug aller Steuern und Abgaben netto so viel übrig bleibt, dass es für die Rechnung reicht.
Sicher darf man nicht vergessen, dass auch die Ansprüche in den letzten Jahren sowie Ausstattung und Komfort etwa von Hotels gestiegen sind. Das entspricht aber dem technischen Fortschritt. Verbesserte Produktionsmethode und neue Technologien führen zwangsläufig dazu, dass wir heute in gekuppelten Anlagen auf die Berge gefahren werden. Der springende Punkt ist, dass sich die Gesellschaft weiter entwickelt hat, aber ein immer geringerer Teil noch von dem zusätzlichen Komfort profitiert, weil die Abgehängten sich es schlicht und einfach nicht mehr leisten können.
Badia hat geschrieben: ↑30.11.2017 19:40
Die Preise für meine damaligen Hotels haben sich in Mondpreise verwandelt
Oder Deine Kaufkraft ist einfach geringer gestiegen als die Hotelpreise. Was übrigens diverse Statistiken belegen. Die Deutschen mussten halt erst die Widervereinigung bezahlen. Alle Deutschen? Nein! Überwiegend die Arbeitnehmer. Wenigen Profiteuren hat man durch die Treuhand den Osten auf dem silbernen Tablett serviert. So wurden die Kosten für die Wiedervereinigung vergesellschaftet, die Gewinne aber privatisiert. Dann kam die Bankenrettung und auch heute wird die Politik nicht müde, die Steuern und Abgaben der Mittelschicht mit vollen Händen unter die Völker zu streuen. Nur für eine Steuerreform oder mehr Investitionen in Infrastruktur und Bildung ist nie Geld in der Kasse.
Was man selbst erledigt können andere nicht verkehrt machen.