Wer kann helfen?

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plateaucarver
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Re: Wer kann helfen?

Beitrag von plateaucarver » 21.01.2013 11:37

@ Martina: In schwerem Schnee kann ich das sogar verstehen, wenn man abseits große Radien fährt - aber wer im lockeren Tiefschnee bei Kurzschwüngen herumhopsen muss, der macht etwas falsch.

Außerdem: stylish oder nicht - wie willst du denn eine Rinne fahren, wenn nicht im Kurzschwung? Ein paar hundert Höhenmeter abrutschen? :o

Nachdem das Pflugwedeln als Begriff ohne weitere Erläuterung in diesem PDF, verfasst von einem Angehörigen des Landeslehrteam im Skiverband Berlin, enthalten ist, gehe ich davon aus, dass die Bewegungsform unter diesem Namen auch im deutschen Skilehrwesen bekannt ist.

Martina
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Re: Wer kann helfen?

Beitrag von Martina » 21.01.2013 11:53

plateaucarver hat geschrieben:@ Martina: In schwerem Schnee kann ich das sogar verstehen, wenn man abseits große Radien fährt - aber wer im lockeren Tiefschnee bei Kurzschwüngen herumhopsen muss, der macht etwas falsch.
Habe ich irgendwo etwas von hopsen oder grossen Radien geschrieben? Wo?
plateaucarver hat geschrieben:Außerdem: stylish oder nicht - wie willst du denn eine Rinne fahren, wenn nicht im Kurzschwung? Ein paar hundert Höhenmeter abrutschen?
Was war an meinem letzten Beitrag unverständlich? Ich habe überhaupt nichts gegen Kurzschwingen - aber gegen Wedeln und die Behauptung, dass man heute noch wedelt.

(Allerdings fahre ich auch bei lockerem Tiefschnee durchaus auch mal lange Kurven - das ist nämlich schön).


Nachfrage an die Deutschen Skilehrer: War euch "Pflugwedeln" ein Begriff?
Im verlinkten pdf wird es als Möglichkeit zum Einfahren in einer Unterrichtsbeschreibung einmal erwähnt, es ist also nicht so, dass es als eigentliche Methode oder methodischer Schritt verwendet wird. Wenn das irgend jemand in Berlin so notiert muss das auch nicht unbedingt heissen, dass es gebräuchlich ist.
Um nochmal klarzustellen: Ich finde diese kurzen Kurven im Pflug total ok. Ich finde nur den Begriff "Pflugwedeln" irreführend.

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Re: Wer kann helfen?

Beitrag von TOM_NRW » 21.01.2013 14:17

Ich kenne nur den Begriff "Pflugschwingen". Keine Ahnung ob er so noch in den Lehrplänen des DSV steht. Es gab auf jeden Fall einmal ein Methodik in der Anfängerschulung die hieß glaube ich "vom Pflugschwingen zum parallelen Grundschwung".

"Pflugwedeln" habe ich noch nie vorher gehoert. Kann kaum glauben, dass der Begriff Wedeln (der eher für die Technik der Vor-Carving-Zeit steht) den Weg zurück in einen Lehrplan gefunden hat.

LG Thomas

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Re: Wer kann helfen?

Beitrag von Peppis66 » 21.01.2013 19:30

Hi,

leider habe ich meine Lehrpläne aus den 70ig/80igern bei einem der letzten Umzüge entsorgt, ansonsten könnte ich noch Bilder dazu einstellen.
War glaube ich im orangen DSV "Kinder"-Lehrplan der noch aus den 70igern stammte.
Thomas hat absolut recht. Zu dieser Zeit war das in D als Pflugschwung und in A als eben "Wedeln" (das war damals in A einfach den Innbegriff des Skifahrens) fester Bestandteil des Lehrplans auf dem Weg zum Kurzschwung (in A Wedeln).

Btw für mich ist im Pulver immer noch ein rhytmischer kurzer Schwung (Kurzschwung) das Maß aller Dinge. Und wenn dann noch zu zweit im Gleichklang ein Muster in den Schnee geschwungen wird, ...
Ich kann nicht verstehen, wie man einen Tiefschneehang mit weiten Turns zerfurcht :wink:

Aber so ist das nun mal, jedem das Seine
Gruß
Harald

Martina
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Re: Wer kann helfen?

Beitrag von Martina » 21.01.2013 20:07

Danke Tom. Ich habe gehofft, dass du dich meldest.

Sorry, aber jetzt treibt das Ganze aber doch skurrile Blüten.
Ansonsten schreibe ich fast immer "meiner Meinung/Erfahrung nach" /"meines Wissens" etc. Aber jetzt, bitte, ein für allemal:

- Pflugschwung hat nichts und hatte niemals etwas mit Wedeln zu tun. In keinem Land und zu keiner Zeit. Offenbar gibt es /gab es den Begriff "Pflugwedeln", der anscheinend kurze Kurven im Pflug bezeichnet.

- Wedeln ist eine Form des Kurzschwingens, die vor der "Carvingskizeit" (sogar eher in den 70ern) populär war. Dabei werden die Knie zusammengedrückt und die Kurve über Fersenschub ausgelöst. Heutiges Kurzschwingen, auch im Tiefschnee, ist kein Wedeln, in keinem Land. Der Ausdruck wird aber umgangssprachlich, überwiegend von Touristen, manchmal noch verwendet. Sie kennen oft die Definition nicht, müssen sie auch nicht kennen.

So, und sorry, ich mag nicht mehr diskutieren ob man heute irgendwo Wedeln lernt oder nicht und ob man die Knie zusammendrücken soll. Nein, tut man nicht, soll man nicht.

Und natürlich kann jeder im Tiefschnee lange oder kurze Kurven fahren wie es ihm beliebt und Spass macht. Man darf auch Wedeln, wenn es einem freut. Man darf sogar mit dem Snowboard runterfahren!

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Re: Wer kann helfen?

Beitrag von Peppis66 » 21.01.2013 20:51

Hi Martina,

soweit ich mich erinnern kann, ging es zu Beginn des Threads um den Begriff, nicht um die genauen technischen Unterschiede :wink:

So bitte ich auch meinen Beitrag zu verstehen. In den 70igern war das "Wedeln" absolut State of the Art und, nachdem es ja von den Österreichern "erfunden" worden war, wurde auch (fast) jegliche Art von parallelem Kurzschwung in A so beworben (nicht gelehrt!), unabhängig davon ob es sich Skitechnisch gesehen um wirkliches Wedeln handelt oder nicht. In diesem Kontext ist m.E. die von Beate gefundene Begrifflichkeit zu sehen.

Im DSV-Lehplan wurde die Technikform des Wedelns bereits Anfang der 80iger als die DSV Skischule neu aufgelegt wurde, soweit ich mich erinnern kann, nicht mehr aufgeführt. Wie der DSLV das zu dieser Zeit gesehen hat, kann ich nicht beurteilen.

Unabhängig davon gab (gibt?) es im DSV Lehrplan den Pflugschwung, hat natürlich nichts mit Wedeln zu tun, könnte aber in die Richtung gehen, was die Skischule mit dem Begriff des Pflugwedelns meint.

Nachdem ich aber schon seit fast 20 Jahren aus dem "aktiven" Lehr-Dienst bin, bitte ich evtl. unsauber dargestellt Sachverhalte meiner beginnenden Alters-Senilität zuzuschreiben :(
Mein Erstkontakt mit den Lehrplänen war schließlich im Winter 81/82 :o

Sollte ich die "skurilen Blüten" fälschlicherweise auf meinen vorherigen Beitrag bezogen haben, dann
sorry für das Geschwafel
:wink:
Gruß
Harald

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Re: Wer kann helfen?

Beitrag von M.H. » 21.01.2013 23:36

Martina hat geschrieben:- Wedeln ist eine Form des Kurzschwingens, die vor der "Carvingskizeit" (sogar eher in den 70ern) populär war. Dabei werden die Knie zusammengedrückt und die Kurve über Fersenschub ausgelöst. Heutiges Kurzschwingen, auch im Tiefschnee, ist kein Wedeln, in keinem Land. Der Ausdruck wird aber umgangssprachlich, überwiegend von Touristen, manchmal noch verwendet. Sie kennen oft die Definition nicht, müssen sie auch nicht kennen.
Das ist sogar noch ein bischen älter.
Wikipedia zu Stefan Kruckenhauser hat geschrieben:Als "Vater des Wedelns" ging der weltbekannte Skilehrer in die Sportgeschichte ein. Beim 3. Interski-Kongress 1953 in Davos stellte er der internationalen Fachwelt seine Fahr- und Lehrweise vor. Er provozierte vor allem die französischen Skilehrer, indem er die Rotation beim Schwung ablehnte und seine Demonstratoren mit geringsten Körperbewegungen und geschlossenen Beinen Kurzschwingen ließ. Danach trat dieser Kurzschwung, das "Wedeln", seinen Siegeszug um die Welt an. Sein Skilehrplan von 1956 erreichte eine Auflage von 115.000 Exemplaren. Übersetzungen ins Englische, Französische, Holländische, Italienische und Japanische waren Grundlage für die Popularität der neuen Methode. "Ein Bild - tausend Worte" lautete "Krucks" Devise. Montagen von Serienbildern, künstlerisch gestaltete Skilehrfilme und Bildbände veranschaulichten die Ideen des österreichischen "Skipapstes".
Wenn die Bewegung der Ski an die Bewegung eines Staubwedels beim Wedeln erinnern, dann hat man's.

Nachdem die Bewegung beim "Pflugkurzschwingen" mir nie auch Ansatzweise so vorgekommen ist, bin ich bisher immer davon ausgegangen, daß das ganze eine Verballhornung ist.
den Schnee auf dem wir alle talwärts fahren
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Re: Wer kann helfen?

Beitrag von Flachlandtiroler » 22.01.2013 23:00

Hallöchen, mußte gestern abend noch lange Schneeschieben! :D (im Flachland) :(
Um noch mal auf die Skischulen anzusprechen ist es doch so das in der Saison die Kinder 100m Proberutschen, Eingeteilt werden und mit der netten Studentin an siebter oder achter stelle ins Skigebiet verschwinden.
Und da kann man über Pflugwedeln, Fallinie und allerlei Theorie Phliosophiren wie man will,
am Ende reduziert sich das Praktizierte zum größten Teil auf "durchs Gebiet heizen".

Mit 4 Jahren gaben wir unsere Tochter das erste mal in die Skischule ( 2h am Tag),
mit 5 Jahren das zweite mal, immer mit großem Lernerfolg.(im Übungsgelände mag die Theorie noch fruchten)

Mit 6,7,8 verschwanden sie dann immer mit dem Skilehrer im Skigebiet( jedesmal eine andere Skischule), doch leider mit wenig sichtbaren Weiterentwicklungen.
Ob der Skiunterricht gut oder schlecht war konnte und kann ich nicht beurteilen, oder Fährt jemand den ganzen Tag heimlich hinter den Mäusen her!?
Also zählt nur das Ergebnis was am Ende vorzeigbar ist!

Als ich mich damals hier im Forum belas und erkundigte war das Ergebnis : es dauert recht lange bis die Kinder ins :oops: "Wedeln" :-? kommen und die Aufgabe des Skilehrers sei es den Kindern eine gute Line zu vermitteln.

Die nächsten großen Fortschritte machte meine Tochter wenn wir Ostern im Sonnigen Sulz alleine
kleine Pistenabschnitte besprachen und einzeln fuhren!

Das soll keinesfalls eine Kritik an den Skischulen sein, ich habe höchsten Respekt vor der meist guten Organisation und Durchführung in den Saisonzeiten!

Ich denke es ist unrealistisch bei Kindern von ?- 10 Jahren so genau beschriebene Theorien mit sichtbaren Erfolg in der Masse zu vermitteln und dieses anzubieten.
Grüße
Thomas

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Re: Wer kann helfen?

Beitrag von plateaucarver » 23.01.2013 00:13

Flachlandtiroler hat geschrieben: Fährt jemand den ganzen Tag heimlich hinter den Mäusen her!?
Auch solche Eltern gibt es ...
Flachlandtiroler hat geschrieben:Also zählt nur das Ergebnis was am Ende vorzeigbar ist!
Typisches Elterndenken - "ich hab dafür gezahlt und ich will Ergebnisse sehen". Was noch mehr zählt ist, dass die Kinder Spaß am Skifahren haben und sicher zurückkommen.
Flachlandtiroler hat geschrieben: die Aufgabe des Skilehrers sei es den Kindern eine gute Line zu vermitteln.
Ich wiederhole die Frage: an welcher/n Skischule/n war das? Und was ist mit "guter Line" gemeint?
Flachlandtiroler hat geschrieben:Ich denke es ist unrealistisch bei Kindern von ?- 10 Jahren so genau beschriebene Theorien mit sichtbaren Erfolg in der Masse zu vermitteln und dieses anzubieten
Bei Kindern geht es mMn weniger um das Vermitteln von Theorien oder von Bewegungsidealen im Sinne von "Fahren nach Schablone", es geht um das Fördern der Koordination und Balance um Sicherheit zu gewinnen, das Korrigieren offensichtlicher Fehler und um das Einüben von Techniken und Bewegungsmustern, die den Könnensstand fördern. Und darum, Erfolgserlebnisse zu verschaffen.

Das gelingt auch im Gruppenunterricht - so jedenfalls meine Erfahrung.

Wer sagt denn, dass die österlichen Fortschritte deiner Tochter nicht vor allem auf das zurückzuführen sind, was sie eine Woche lang in der Skischule gelernt und geübt hat?

Martina
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Re: Wer kann helfen?

Beitrag von Martina » 23.01.2013 06:38

Flachlandtiroler hat geschrieben:Und da kann man über Pflugwedeln, Fallinie und allerlei Theorie Phliosophiren wie man will, am Ende reduziert sich das Praktizierte zum größten Teil auf "durchs Gebiet heizen".
Nochmal: das ist falsch.
Wenn das bei euch so war, dann war der Unterricht nicht gut (auch das gibt es). Ich denke aber, dass du eher nicht mitgekriegt hast, was gemacht wurde.
Flachlandtiroler hat geschrieben:Als ich mich damals hier im Forum belas und erkundigte war das Ergebnis : es dauert recht lange bis die Kinder ins :oops: "Wedeln" :-? kommen und die Aufgabe des Skilehrers sei es den Kindern eine gute Line zu vermitteln.
Ich hoffe doch, die Kinder kommen nie "ins Wedeln". Aber ja, es dauert, bis sie bspw. parallel fahren können. Auch bei sehr gutem Unterricht.
Plateaucarver hat geschrieben:Bei Kindern geht es mMn weniger um das Vermitteln von Theorien (...), es geht um das Fördern der Koordination und Balance um Sicherheit zu gewinnen, das Korrigieren offensichtlicher Fehler und um das Einüben von Techniken und Bewegungsmustern, die den Könnensstand fördern. Und darum, Erfolgserlebnisse zu verschaffen.

Das gelingt auch im Gruppenunterricht - so jedenfalls meine Erfahrung.

Wer sagt denn, dass die österlichen Fortschritte deiner Tochter nicht vor allem auf das zurückzuführen sind, was sie eine Woche lang in der Skischule gelernt und geübt hat?
Das hat Plateaucarver sehr schön ausgedrückt.
Grad sowas wie Sulz fahren kann nur funktionieren, wenn die Basis stimmt: Position, Kurvenform, Geduld bei der Auslösung, funktionierender Bewegungsablauf, situative Anpassun. Und du kannst dir ganz sicher sein, dass das nicht deswegen stimmt, weil du einen Pistenabschnitt "besprochen" hast ("besprechen" nützt bei Kindern herzlich wenig, vor allem einmal besprechen).

Bei gutem Kinderunterricht geht es nicht um Theorievermittlung. Die Theorie muss dem Skilehrer bekannt sein, wie auch die Methoden, mit denen man diese vermittelt, ohne dass man den Hintergrund kennen muss.

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