Abseits der Piste
Das Experiment sollte ja schon in der letzten Saison starten. Der Daumen hatte mir da einen üblen Streich gespielt. Diese Saison hält er Ruhe, ist aber nach wie vor nicht in Ordnung (dazu müßte ich die Sehne flicken lassen, wovor ich zurückschrecke). Pech
So ging es denn letztes Wochenende für vier Tage in das Experiment: Laßt mal einen mittelmäßigen Skifahrer mit gelegentlichen Angstblockaden in einen Tiefschneekurs los. Ups. Der neue Ski gab genug Selbstvertrauen, um mich nicht von vornherein kneifen zu lassen. Die Schneeverhältnisse allerdings waren eine andere Geschichte

Nix fluffiger Tiefschnee. Windverpreßt meistens, teilweise ganz abgeblasen, manchmal ganz selten feiner Pulverschnee. Und erst die Kälte

-30° faselte das Thermometer am ersten Morgen.
Aber: Kneifen gilt nicht. Um es vorneweg zu nehmen: dies war das erste Mal in meiner Skifahrer-Karriere, das ich fast alle Klamotten, die ich dabei hatte, auch getragen habe - übereinander meistens

.
Aber ganz gemächlich ging es los - mit Einfahren und ersten Technikübungen. Dann folgten aber gleich Fahrten abseits der Piste - noch vor dem ersten Mittagessen

Ich bin aber doch ein Angsthase, wenn da rechts und links Felsen gefährlich nah sind und ich grade nicht das Gefühl habe, den Ski zu kontroliieren. Nach dem Mittagessen dann eine kurze Intervention meinerseits: ich fühle mich überfordert. Reaktion: das sieht aber souverän aus bei Dir. Ich: so fühlt es sich aber überhaupt und gar nicht an. Fazit: ich mußte nicht mehr ganz alleine da runter.
Dennoch habe ich mich immer wieder an die Grenze meines Könnens gebracht gefühlt. Hmmm. Ich habe aber auch gemerkt, wie die Technik-Übungen und das direkte Feedback mich gleich wieder anders auf den Ski gebracht haben. Steil auf der Piste war schon am Ende des ersten Tages kein Thema mehr. Dennoch war ich am Ende des zweiten Tages soweit, alles zu schmeißen

Dazu haben auch die Witterungsbedingungen beigetragen. Blaurot-gefrorene Zehen sind nicht lustig

und nach dem Kopfsprung in die Pulverschneewanne war halt überall Schnee und die Kleidung etwas klamm...
Nach einem weiteren Gespräch wurden dann aber die Hänge etwas weniger felsig (und die Pausenräume wärmer). Und ich habe ausgehandelt, daß ich entscheiden kann, ob die Kraft für einen weiteren Ausflug ins Gelände noch reicht, oder ob ich gegen Ende des Vor- und Nachmittags nicht lieber Piste abfahre.
Damit ist dann auch ein Knoten aufgegangen: es hat Spaß gemacht, auch wenn es noch teilweise ein rechtes Gewürge war. Aber so einen Hang in schönen Schwüngen, ohne Sturz, Kontrollverlust oder ähnliches runter zu kommen, war genial.
Der vierte Tag mit erträglichen Temperaturen (mittags -10°), Sonne und schönen Hängen war dann ein versöhnlicher Abschluß. Ich habe wieder viel mitgenommen an Verbesserung, an Dingen, an denen ich arbeiten kann - und an Spaß neben der Piste. Der nächste Skitag kann kommen!
Ach ja - unnötig zu sagen, oder: Ich bin den Rictor gefahren. Ein echt feiner Ski!