Expertenthema Belastungswechsel Innen-Außen

Alles zur Skitechnik. Siehe auch Berichte Carving- und Ski-Lehrplan, sowie Besser Skifahren für Fortgeschrittene
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nicola
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Beitrag von nicola » 01.12.2006 17:30

Carvi hat geschrieben: frage an nicola:
es sieht für mich so aus, als ob du den noch aussenski beim schwungwechsel leicht nach vorn schiebst….bisher war ich der meinung, das ein nach vorn schieben nur dann leicht möglich ist, wenn man den druck etwas von diesem ski nimmt…oder hast du die volle last auf dem ski, während du ihn leicht nach vorn schiebst..oder läuft es komplett anders ab ???
man kann ein bein das belastet ist nicht bewegen, du kannst aber das andere bein nach hinten bewegen (lassen) dadurch entsteht dieser eindruck - am anim gif das ist übrigens erwin (mein mann - er kommt vom wasserski, wo sich auf höherem level nur mehr volle dynamik ausgeht)

@bewegungsfreund - natürlich kann/soll jeder seine form des skifahrens so ausleben wie er will bis er an seine grenzen stösst. problematisch wird's immer dann, wenn man jemand unterrichtet/coacht, der dadurch schlechtere lernbedingungen findet.
nicola

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Bewegungsfreund
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Beitrag von Bewegungsfreund » 01.12.2006 17:47

Hallo...

@Nicola
man kann ein bein das belastet ist nicht bewegen, du kannst aber das andere bein nach hinten bewegen (lassen) dadurch entsteht dieser eindruck
passiert dann hier nichts anderes als ein Belastungswechsel?
Ich will ja nicht drauf rumreiten....aber das ist doch dann der Fall wenn man schlussendlich im Rahmen dieser Technikanwendung das (momentan noch kurveninnere) Bein nach hinten fahren lässt.

Gruß

KOSTI
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Beitrag von KOSTI » 01.12.2006 17:47

Bewegungsfreund hat geschrieben: Wieso soll ich denn bitte schön darauf warten das so etwas von selber passiert?
Das ist jetzt philosophisch und daher ganz leicht (oder besser gemein) mit einer Gegenfrage zu beantworten.
Warum mit Dingen beschäftigen die sowieso -also von selber- passieren?


Bewegungsfreund hat geschrieben: Ich warte nicht darauf...
Mein Nicht-darauf-warten und in der Umkehr das Tun/die Aktion in diesem Augenblick ist der einzig von mir beschriebene Belastungswechsel zum kommenden kurvenäusseren Ski....mit dem Ziel alles worüber wir hier reden einen Augenblick eher zu erreichen.
Du willst also früher umkanten, ok.
Funktionier natürlich durch diesen aktiven vorverlegten Belastungswechsel (den man oft genug wirklich braucht). Du bist dann aber eben nicht mehr optimal dynamisch unterwegs musst unnötig nachkorrigieren und vor allem musst du aktiv von der einen in die andere Kurvenlage übergehen. Das dauert einfach länger du musst einen Haufen unnötige Bewegungen machen und du verlierst (im Rennlauf) Linie.

Warum nicht (wenn wir versuchen optimal zu carven) einfach zu Kurvenbeginn (100% auf dem Innenbein) einfach den Aufkantwinkel etwas erhöhen (ob Fuß-, Bein-, Hüft- od. Rumpforientiert ist mir gerade mal egal) und dadurch früher zum nächsten automatischen Umkantpunkt zu gelangen? (die Frage ist rhetorisch)
Fall die FIS Materialbestimmungen mangels Freiwinkel unter dem Innenschuh dich dazu nötigen, musst du natürlich versuchen im Kurvenverlauf schon sehr früh vom „bösen“ Innenski wegzukommen, um dann wenn du doch noch etwas Höhe/Linie machen willst einen Highsider zu riskieren.
Aber was schert das uns beim cruisen auf der Piste und vor allem was juckt’s einen Einsteiger.

Wäre das mit dem aktiven Belastungswechsel auf das werdende Außenbein wirklich zum carven notwendig, dann könnten Snowboarder und Skwaler nicht carven.

Übrigens überlege dir bitte mal was du kurz vor dem automatischen Umkanten machen musst wenn annähernd 100% Belastung auf dem noch Außenski sind um den noch Innenski (also werdenden Außenski) zu belasten. Die einzigen richtigen Antworten sind:
- Weiterfahren bis es wieder bergauf geht ;-) hier keine Option
- Kurve aufmachen
- Driften
Das werdende Innenbein (also das zu 100% belastete noch Außenbein) zu beugen fällt hier für mich schon unter Drift bzw. Kurve aufmachen. Warum nicht Kurve an Kurve fahren wenn es denn geht und erst wenn das nimmer geht dann muss ich andere Baustellen aufmachen.

Vom Einfachen zum Schweren
Vom Bekannten zum Unbekannten

Die zwei sinnvollsten Dinge die ich in meiner Ausbildung vernommen hab.
Bewegungsfreund hat geschrieben:Hallo...
weil es kraftsparend und harmonisch ist mit dem ski zu fahren und nicht ihn zu beherrschen.
....aber wenn ich doch die Wahl haben kann?!?!
Ich geniesse das Fahren genau so wie beschrieben...aber schnell macht es einen nicht!
Im Klartext: ich bin 100% davon überzeugt, dass man im Rennlauf dann am schnellsten ist wenn man den aktiven/frühzeitigen Belastungswechsel so oft weglässt wie nur irgendwie möglich und nur dort einsetzt wo man ohne nicht Sturzfrei die Linie halten könnte.
Des weiteren bin 100% davon überzeugt, dass diese Erkenntnis in den nächsten 5-20 Jahren auch allgemeine Anerkennung findet, außer die FIS grenzt das zu verwendende Material in Zukunft weiterhin ein.

Unabhängig vom Rennlauf gibt es für eine optimale Basistechnik des Cavens immer noch keinen einzigen Grund für einen aktiven Belastungswechsel auf den werdenden Außenski.
Dagegen stehen die von mir oben schon genannten Gründe gegen einen aktiven Belastungswechsel auf den werdenden Außenski.

@carvi: Nyberg fährt hier kein bisserl optimal dynamisch, dieselbe Linie könnte er auch ohne eine einzige erkennbare Bewegung in gestreckter Kurvenlage fahren. Er fährt sich eben ein, da fahren viele die im Lauf von ihnen verwendete extreme Position ohne die im Lauf wirkenden äußeren Kräfte zu erfahren, d.h. bei gegebenem Radius ist zu langsam damit er wirklich von selbst (also dynamisch) in die Kurven kippen kann.
Der Film ist also schön, hilft aber bei der Thematik nicht weiter.
nicola hat geschrieben: @bewegungsfreund - natürlich kann/soll jeder seine form des skifahrens so ausleben wie er will bis er an seine grenzen stösst. problematisch wird's immer dann, wenn man jemand unterrichtet/coacht, der dadurch schlechtere lernbedingungen findet.
Da liegt der Hase im Pfeffer und der Hund begraben.

So jetzt ein schönes Wochenende und viel Spaß beim Baden gehen. ;-)
Und eventuelle Antworten besser überschlafen od. doch ne runde Skifahren gehen ;-)
Konstantin
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Carvi
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Beitrag von Carvi » 01.12.2006 17:47

Danke nicola!!
nicola hat geschrieben: ...man kann ein bein das belastet ist nicht bewegen, du kannst aber das andere bein nach hinten bewegen (lassen) dadurch entsteht dieser eindruck ...
genau das sind die Tips, die kleine quantensprünge ermöglichen…
oder der eckige kreis wird langsam runder. :wink: .
danke KOSTI...:wink:
gruss
holger

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Hosky
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Beitrag von Hosky » 01.12.2006 17:59

Bewegungsfreund: Sehe ich auch so, Nyberg fährt die angesprochene Technik übers Innenbein nicht. Er wechselt früh auf das kommende Aussenbein und fährt über das Aussenbein in die neue Kurve. Im oberen Bereich kommt es mir sogar fast wie ein Ansatz zum Umsteigen vor. Er steht über dem noch-Innenski auf, der schon flachgestellt ist, während der Noch-Aussenski praktisch unbelastet und noch aufgekantet "hinterherfährt". Nach dem Umkanten ist der neue Außenski früher und stärker gekantet als der Innenski, sieht man auch an den unterschiedlichen Schneespritzern am jeweiligen Innen/Aussenbein.

Früher Belastungswechsel auf sehr hohem Niveau, aber kein Revoluzzer :D :D :D

Jetzt wäre ein Vergleichsvideo dieser Qualität super!!

Bewegungsfreund: probiers einfach mal, ich war erst erstaunt und dann entzückt, als ich´s gefressen hatte. Nicht daß ich das jetzt unter allen Bedingungen fahren würde, aber wenns ans reine Carven geht, werde ich diese Technik versuchen zu perfektionieren, mal sehen, welche Möglichkeiten sich dann für andere Bedingungen eröffnen. Und ehrlich, es ist mir ziemlich egal, was der Ausbilder bei der nächsten Weiterbildung dazu sagt :wink: :D

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Beitrag von Bewegungsfreund » 01.12.2006 18:17

Hallo....

@Hosky
aber Nyberg fährt dann schon brav übers Innenbein in die Kurve...
Das Video mag zwei Jahre alt sein und Nyberg einer der Vorreiter der Technik.
Also total alt.

Heute fährt er:
- ohne rückwärtsbewegung der Arme in den Kurven
- mit weniger vertikalen Momenten (auch beim einfahren)
- mit deutlich mehr Ausgleichbewegung des Oberkörpers

Gruß

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Beitrag von KOSTI » 01.12.2006 18:17

Hosky hat geschrieben: Bewegungsfreund: probiers einfach mal, ich war erst erstaunt und dann entzückt, als ich´s gefressen hatte.
Horsky, jetzt muss ich doch noch mal. Bewegungsfreund argumentiert zu 100% auf besserem DSV-Ausbilderniveau und ist auch sicher unter seinesgleichen einer der besseren Skifahrer, daher ist es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so, dass er einen Kurvenwechsel schon oft optimal dynamisch gefahren hat.

Wir sprechen hier nicht generell von einem Fahrfehler sondern von einem Verständnis bzw. Erklärungsfehler, der bei nicht Bewegungsgöttern leider zu Fahrfehlern führt. Und einen im Rennlauf das Pferd von hinten aufzäumen lässt. Frei nach dem Motto wer am schnellsten lernt nicht mehr (wie zuvor gelernt) unökonomisch zu fahren ist am Ende wirklich der Schnellste.

So jetzt wirklich, Have a good weekend :D
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Bewegungsfreund
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Beitrag von Bewegungsfreund » 01.12.2006 18:46

Hallo...

danke für die Komplimente...

Nur weil ich hier dreimal den Lehrplan erwähne um Diskussionen abzukürzen bin ich kein Skifahrgott.
Ich fahre schon mal grundsätzlich gerne eine entspannte Kurve. Vorallendingen habe ich dann eine DSLV Skischule.

Jetzt dann mal umgekehrt:
Was müßte denn so jemand wie ich, der seine Bewegungen nun schon dargelegt hat und die anscheinend klar beim DSV liegen, tun, um die Fahrfehler zu beseitigen?

Gruß

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Beitrag von Hosky » 01.12.2006 19:02

KOSTI hat geschrieben:Bewegungsfreund argumentiert zu 100% auf besserem DSV-Ausbilderniveau und ist auch sicher unter seinesgleichen einer der besseren Skifahrer, daher ist es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so, dass er einen Kurvenwechsel schon oft optimal dynamisch gefahren hat.
:zs: , so würde ich ihn auch einschätzen, und das Niveau möchte ich ihm keineswegs absprechen. Sorry, wenn das so rübergekommen sein sollte. :oops:

Meine Erfahrung mit vielen ÜL, Skilehrern und auch Ausbildern, auch wirklich guten (und die gibt es!), ist daß sie eben manchmal allzusehr in der Lehrplan-Zwangsjacke stecken. Und ich mußte mich selbst gegen diese Lehrplan-Zwangsjacke in der ÜL-Ausbildung auch immer mal wehren, es wird schließlich auch verlangt, daß man den Lehrplan vertritt. Sie war schon Mitte der 90er der Grund, weshalb ich nie ins LLT wollte, und ich habe den Eindruck, daß es heutzutage nicht unbedingt besser geworden ist. Wir haben schon ein paar mal die Erfahrung gemacht, daß Ausbilder, wenn sie denn losgelassen, beim gemeinsamen freien und privaten Fahren auch neue Erfahrungen gemacht haben, die kein Lehrplan beschreibt. Und Bewegungsfreunds Argumentation, fachlich hochstehend, erinnert mich ein klein wenig an die Lehrplan-Betriebsblindheit (aber wer kann schon von sich behaupten, er wäre völlig gegen Betriebsblindheit gefeit) im DSV - wobei, das will ich auch gesagt haben, es diesbezüglich (und nicht nur im DSV) wesentlich schlimmere Exemplare gibt. :wink:

@Bewegungsfreund: sorry, vielleicht habe ich heute schon zu lange in den Computer geschaut, aber ich kann in diesem Video von Nyberg kein Einfahren über den Innenski erkennen :oops: Mit etwas gutem Willen vielleicht im mittleren/unteren Bereich, oben gar nicht, da kann ich noch soviele Einzelbilder durchklicken :roll:

Als Fahrfehler würde ich den frühen Belastungswechsel gar nicht bezeichnen. Er funktioniert doch, darin sind sich glaube ich alle einig. Er ist lediglich eine Möglichkeit, und daneben existieren auch andere, die ebenfalls funktionieren, dabei noch einen riesen Spaß machen und von Kosti und nicola als optimal-dynamisch bezeichnet werden :wink: :D

Zeit fürs WE!

Bewegungsfreund
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Beitrag von Bewegungsfreund » 01.12.2006 19:18

Hallo...

wünsche Euch auch ein geniales WE.

Darüber zu reden ist toll, wirklich Kurven zu fahren macht es dann doch aus.
Ab Mittwoch bis Sonntag bin ich im Stubai...danach die Woche im Pitztal.

Ich würd mich richtig freuen Euch zu treffen.

Liebe Grüße

Norbert

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